Schreibklausur

Blick aus meinem Zimmerfenster

Manchmal, wenn ich intensiv an einem Text arbeite, tut es mir einfach gut, mich für eine gewisse Zeit aus dem „normalen“ Leben auszuklinken. Mich ganz auf mein Manuskript konzentrieren zu können. Ein Rückzugsort, der mein Bedürfnisse nach Stille und Konzentration gut erfüllt, ist das Kloster Arenberg bei Koblenz.

Ich bin wieder hier: Ich packe meinen Laptop aus und stelle ihn auf den Schreibtisch. Durch das Fenster in der Dachschräge kann ich weit ins Rheintal blicken. 2010, als ich großen Zeitdruck mit einem Roman hatte, habe ich mich zweimal für zwei Wochen hierher zurückgezogen. Jetzt, im Dezember 2011, bin ich für zwölf Tage hierher gekommen, um an meiner Zeitreise-Geschichte zu schreiben.

 Schnell habe ich auch dieses Jahr wieder in meinen Tagesablauf gefunden. Ich nutze den Speisesaal, in dem in Stille gegessen wird (für Gäste, denen mehr nach Kommunikation zu Mute ist, gibt es noch einen anderen, größeren Raum), ich schreibe, nutze das Schwimmbad, gehe in den Feldern und im nahen Wald spazieren und male recht häufig, wozu ich zu Hause kaum komme. Nachmittags trinke ich meinen Tee im kleinen Café in der Halle.

 Vor dem ersten Advent werden wieder Kerzen, Tannenzweigen und eine große Wurzel in der Halle aufgestellt – was ich von meinem letzten Aufenthalt schon kenne. Am ersten Adventssonntag wünscht die Schwester am Frühstücksbuffet einen „Schönen Advent“.

 Die Zeit verläuft geruhsam hier. Es herrscht eine angenehme Stille. Ich arbeite konzentriert und gleichzeitig entspannt. An meinem vorletzten Tag bin ich mit meinem Buch schon zehn Seiten weiter gekommen, als ich eigentlich wollte, und drei Exposés für neue Romane haben in meinem Kopf Gestalt angenommen. Deshalb beschließe ich, mir an meinem letzten Tag einen „freien Tag“ zu gönnen.

Abendspaziergang in den Feldern